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Hilda Aerni

Einen VW 1500 nannte sie ihr erstes eigenes Auto. Als ihr dieses jemand kurz nach dem Erwerb abkaufen wollte, entdeckte sie die Freude am Autohandel. So wurde der Grundstein für ihren beruflichen Erfolg gelegt. Heute feiert die Frau, die vor 51 Jahren die «Garage B. Aerni» gründete, ein grosses Jubiläum.

Interview

 

«Aufgewachsen bin ich in Olten. Umgeben von vielen Tieren und im Grünen. Pflanzen habe ich immer geliebt, wollte dann auch Floristin werden. Doch waren es halt andere Zeiten – und nicht jeder heranwachsenden Frau war es vergönnt, sich beruflich auszubilden.» Hilda Aerni sagt es mit einem gewissen Wehmut, verweist aber gleich auf ihren Garten hinter dem Haus, den sie noch heute selber hegt und pflegt. «Statt Blumen wurden es dann Lebensmittel. Meine ersten Berufsjahre absolvierte ich in der Usego. Zuhause kümmerte ich mich um unsere fünf Kinder. Mein Ehemann Bruno war in der Versicherungsbranche tätig. Dann kam die Veränderung.»

Sie packte die Dinge immer an und sah im Autohandel eine Chance. Ihren Mann überzeugt, startete das Unternehmen 1967. «In Küngoldingen bei Oftringen waren wir bis 1971. Anfangs handelten wir vor allem mit Fahrzeugen der Marke VW. Die hatten ja auch eine Vormachtstellung. Die Autos polierte ich noch eigenhändig und kannte die Motoren bald besser als es manch einer gedacht hätte», sagt sie mit einem leicht zufriedenen Lächeln im Gesicht. «Wir hatten einen Mechaniker, mein Mann und ich unterhielten den Abschleppdienst. Dazu gibt es sogar eine lustige Geschichte…

Ein Polizist traute mir das Abschleppen eines Fahrzeuges auf der neu entstandenen Autobahn zunächst nicht zu. Er wollte selber Hand anlegen – und scheiterte.» Auf die Frage, ob es denn schwierig gewesen sei, sich in einer Männerdomäne erfolgreich zu bewegen, meint Hilda Aerni, dass sie nie Mühe hatte sich zu behaupten. Sowieso arbeitete sie stets lieber mit Männern zusammen. Aber das Vertrauen in Frauen dürfte, wie sie sagt, auch heute noch grösser sein.

1971 wurde der heutige Standort an der Köllikerstrasse 30 in Safenwil eröffnet. In nur dreizehn Wochen, wie Hilda Aerni betont. Denn geplant wurde alles eigenhändig, nur einen Statiker zog man bei. Geschwindigkeit und Präzision zeichnet das Leben der Patronin aus. So boomten auch der Autoverkauf und die Werkstatt schnell. Doch selbstverständlich war das keineswegs. «Die Leute mussten zuerst Vertrauen gewinnen in die japanische Marke, von der wir im selben Jahr offizieller Konzessionär wurden.» Und wie kam es zum Erfolg?

 

«Wir haben stets alle Kunden gleich behandelt. Auch ein Herr Doktor oder Verwaltungsratspräsident musste mal hinten anstehen, wenn der Handwerker zuerst da war. Denn ein Franken ist nicht für jeden gleich viel wert. Diese Linie zogen mein Mann und ich konsequent durch. Auch unsere Söhne Roger und Bruno jun., die den Betrieb 2001 übernahmen, führen diese Kultur weiter. Vor allem in der heutigen Zeit ist dies nicht mehr selbstverständlich.»

Erinnern Sie sich an ein besonders lustiges Erlebnis in all den Jahren? Schmunzelnd erzählt Hilda Aerni: «Da war dieser eine Handwerker, der einen Zementsack voller Fünfernoten in seinem Kofferraum heran transportierte, um seinen neuen Mazda zu bezahlen. Das hat schon Eindruck gemacht.» Und was wünschen Sie Ihren beiden Söhnen, die in Ihre Fussstapfen getreten sind? «Das Automobilgewerbe ist eine harte Branche. Auch einhergehend mit vielen Anforderungen der Marke. Roger und Bruno jun. sollen den Betrieb solange weiterführen, wie sie dabei glücklich sind – oder eine gesunde Nachfolgeregelung gefunden haben.»

Ihren Geburtstag werde sie, wie jedes Jahr, im familiären Kreise feiern. Hierzu zählen inzwischen auch langjährige Kunden, zu denen sich schöne Freundschaften entwickelt haben. Für ihre Zukunft könnte sie sich vorstellen wieder einmal ans Meer zu reisen. Dort gefällt es ihr ganz besonders. Weiterhin werde sie sich an ihrem Garten erfreuen. Doch auch an ihrem Zweitwohnsitz im Tessin sei es schön. Vor allem wegen dem Klima, welches ihre Arthrose erträglicher macht. «Dort verbrachten mein Mann und ich viele schöne Momente. 56 Jahre waren wir zusammen, 54 davon verheiratet», fügt sie hinzu.

Gut gekleidet und bei klarem Verstand ist sie, gewieft und präzise in ihren Erzählungen. Noch heute fährt sie selber Auto. Einen Mazda CX-5. Blau, mit weissen Polstern. Eine Frage ist aber noch offen: Wie alt werden Sie heute, am 8. Mai 2018? «80», sagt Hilda Aerni – vor einem Mazda stehend – und lächelt bescheiden.

Das Interview wurde von Markus Stutz geführt.